4. und 5. August

Samstag, 04.08.2012

Am Samstag war Familientag angesagt. Bedeutete für Felix und mich erstmal lang ausschlafen.

Um unsere Gastfamilie in Stichworten zu beschreiben: Sie, Mrs Benny, besitzt eine Medienagentur. Ihr Ehemann ist ein pensionierter Schiffer. Beide leben in einem riesigen Haus in Tema mit einigen Verwandten und 3 abgerichteten Rottweilern, um sich selbst zu beschützen. Doch eigentlich leben sie in einem 9-mal größeren Haus etwas außerhalb von Tema, wohnten hier eigentlich nur aufgrund des bevorstehenden 20. Jahrestags in der Nähe der Tema Joint Church, und besaßen noch weitere Häuser. Zum Haus muss man sagen: Es war ein Ein und Aus von Leuten und jeden Tag lernte man mindestens eine neue Person kennen, der Fernseher lief die ganze Zeit und sowieso war es ein sypatisch organisiertes Chaos. Unser Zimmer hatte zwar nur ein Bett, aber wenigstens war es groß genug. Wir hatten ein eigenes Bad – die Dusche bestand aufgrund einer abgebrochenen Brause nur aus einem Schlauch – und eine Klimaanlage, sowie einem Deckenventilator. Ghana eben.

Unser Alltag in der Gastfamilie lief etwa so ab: Morgens ein sehr englisch angehauchtes, herzlich angerichtetes, Frühstück mit Kelloggs, Schwarztee mit Milch und Weißbrot mit Marmelade, dann ging’s für gewöhnlich gegen 8 Uhr zur Schule und abends kamen wir zwischen 4 und 6 Uhr heim, aßen zu Abend: Thunfischsalat war gang und gäbe, Reis war eigentlich auch immer dabei und sonst gab’s Chicken oder Fisch dazu. Am späteren Abend gingen wir meistens mit Williams, dem Neffen unserer Gastmutter spazieren und erfuhren dabei sehr viele über ghanaische Kultur, Politik und sonstige Tagesangelegenheiten und lernten dabei viel.

Gegen 10 Uhr rappelten wir uns so langsam aus dem Bett auf und frühstückten. Es folgte ein Raucherspaziergang für Felix. Dann fuhren wir nach Accra mit einem Jeep – Jeeps sind her aufgrund der vielen Straßenlöcher und teilweise ungeteerten Straßen die entspannteste Fortbewegungsmöglichkeit. Zuerst fuhren wir zur Accra-Tema Shopping Mall, wo wir eine Stunde verbringen wollten. Nachdem wir nach 20 Minuten alle Läden angeschaut hatten – sie waren entweder überteuert oder Frauenläden – beschlossen wir uns auf die Suche nach, auf gut schwäbisch „gscheitem” – richtigem – Essen zu machen. Man muss dabei hinzufügen, dass unser Essen wie schon in der Gastfamilie beschrieben, auch in der Schule und sonst wo, ziemlich einseitig, ghanaisch war. Sofort war ein Fastfood-Restaurant gefunden und eine große Pommes mit Ketchup bestellt. Mit Betonung auf BESTELLT. Wir warteten eine halbe Stunde und machten Bekanntschaft mit einer anderen Gruppe von Deutschen. Dann kam unser Segensmahl: Unsere Geschmacksnerven explodierten geradezu nach gefühlten Monaten von „Fastfood-Abstinenz”. Das Warten hatte sich gelohnt!

Dann ging’s weiter auf den „Art-Market”. Er ist der größte Touristenmarkt in Accra. Hier gibt’s von schönen ghanaischen Stoffen über Holzfiguren und Armreifen alles was man mit einem afrikanischen Land als Tourist verbindet. Die Verkäufer hier sind ziemlich aufdringlich, greifen teilweise nach der Hand und wollen natürlich alle von ihren Produkten überzeugen, die man erstmal auf einen humanen Preis herunterhandeln sollte. Auch Langfinger sind hier nicht fern, blieben uns jedoch erspart. Nachdem wir eine Tasche, ein T-Shirt und diverse andere Dinge als Geschenke für unsere Eltern besorgt hatten, wollten wir noch zum Strand. Dies blieb uns jedoch aufgrund des Staus in Accra, der geradezu zur Stadt gehört und des schlechten Wetters verwehrt. Hier muss man beifügen, dass schlechtes Wetter in Ghana hauptsächlich kalter Wind und Regen bedeutet, ansonsten ist es aber trotzdem warm genug. Für den Weg nach Hause brauchten wir also 2 Stunden. Daheim – es ist für uns wirklich bereits eine richtige zweite Heimat und Familie geworden – unterhielten wir uns mit unserer Gastmutter und gingen wie üblich mit Williams spazieren. Auf Grund des Kirchenjubiläums am nächsten Tag gingen wir relativ  früh ins Bett.

Sonntag, 05.08.2012

Um 6 Uhr hieß es aufstehen. Nach dem Duschen und Frühstück fuhren wir zur Joint Church, um das 20jährige Jubiläum der Kirche mit der Kirchengemeinde, den Gasteltern, unseren Austauschschülern und Ehrengästen der Schorndorfer Versöhnungsgemeinde zu zelebrieren. Der Gottesdienst dauerte dreieinhalb Stunden. 3 ½ Stunden allerdings, die wie im Flug vergingen. Welch ein Unterschied zu Deutschland ! Trotz einer halbstündigen Predigt und einer den Gesang begleitenden singenden Säge war die Kirche von Freude und Feierstimmung erfüllt und jeder Kirchgänger tanzte zur Kollekte einmal durch die Kirche. Man muss sagen: Normalerweise dauert ein Gottesdienst der Joint Church etwa eine Stunde – in Ghana ist so ein kurzer Gottesdienst übrigens ein Alleinstellungsmerkmal. Danach feierten wir zusammen mit der Gastfamilie weiter auf dem Kirchengelände.

Nach dem Mittagessen verabschiedeten wir uns herzlich von unseren Gasteltern und fuhren nach Kpone. Dort ließen wir den Tag gemütlich mit einem Strandbesuch und einem von den Narh’s zubereiteten Essen, das sie extra nach Kpone brachten, ausklingen.

Steffen

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